Posts Tagged 'Die spinnen die Briten'

Haste mal £ 800,000?

Hatte ich es schon erwaehnt?

Die spinnen, die Briten! (siehe hier und hier)

Auch und vor allem, wenn es um Immobilienpreise geht.

In laendlichen Gegenden, wie in Lincolnshire, wo wir fast zwei Jahre unseres Lebens verbracht haben, ist es beinahe unmoeglich, ein Haus zu mieten. Englaender mieten und vermieten nicht, sie kaufen und verkaufen. Die Preise, die sie dafuer verlangen sind nicht hoch, nein, sie sind schlichtweg jenseits von Gut und Boese.

Wir lebten in den Jahren 2006 und 2007 dort, meinem Gefuehl nach zu dem Zeitpunkt, als die Immobilienpreise ihren Hoechststand erreicht hatten. Urspruenglich wollten wir ein kleines Haus dort kaufen, kamen aber schnell auf den Boden der Tatsachen. Ich spreche hier nicht von London und Umgebung, sondern von Doerfern auf dem Land, fern jeder Autobahn. Ich spreche von Lincolnshire.

Das billigste Haus, das wir gefunden haben, sollte 75,000 Britische Pfund Sterling kosten. In Euro waren das damals rund 110000. Einhundertundzehntausend Euro fuer eine Kaschemme mit zwei Zimmern, Kueche und Bad, Einfachverglasung und Uraltheizung! Kein Keller, kein Garten!

Haben wir dann nicht gekauft! Und alle anderen Haeuser auch nicht.

Schliesslich aber haben wir ein gemuetliches Cottage auf der Farm der Familie Black mieten koennen.

Nun zieht es mich ja immer mal wieder in unsere damalige Heimat, und sei es auch nur virtuell, online, via Internet. Und was finde ich?
Die Blacks verkaufen ihre Farm wollen ihre Farm verkaufen. Herrenhaus, Garten, Karpfenteich, unser Cottage und Nebengebaeude, allerdings ohne Ackerland. Fuer achthunderttausend Grossbritannische Pfund, aktuell ungefaehr 900000 Euro.


Das Herrenhaus ist wunderschoen, bietet jede Menge Platz, der Garten ist mit viel Liebe gepflegt. Wirklich grandios ist der Blick ueber die Fens, den man von hier aus geniessen kann. Am Rande der Lincolnshire Wolds im kleinen Ort East Keal, kann man sich verdammt wohl fuehlen.

Interessant ist die Heizung des Herrenhauses. Ihre Waerme stammt aus einem riesigen Stahlbrennraum, der mit Abfaellen einer Kuechenmoebelproduktionsfirma, die einem Freund von Black gehoert, befeuert wird. Ergaenzend gelangt aller anfallende, brennbare Muell in die Feuerungsanlage.

Heizkosten=Null, Umweltbelastung>Unendlich!

Herrenhaus und Cottage haben die schlechteste Energieeffizienzklasse, keinerlei Waermeisolierung, nicht einmal doppelt verglaste Fenster.

Trotzdem: Falls jemand von euch £ 800,000 uebrig hat, kann er sich vertrauensvoll an mich wenden, ich gebe ihm umgehend meine Bankverbindung und verpflichte mich, das erhaltene Geld ausschliesslich zum Kauf des in den kursiven Links naeher beschriebenen Objekts zu verwenden.

Vielen Dank schon mal im Voraus!

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Weihnachten ist gerettet

Heute haben wir unseren Weihnachtsbaum repariert, okay, nicht wir, sondern Mandys Papa. Vielen Dank noch einmal, Gerald!

Frueher, als ich noch nicht so unglaublich tolerant war, gab es fuer mich nichts Schlimmeres als Leute, die zu Weihnachten einen Plastikbaum aufstellten. Traditionell wurde in meiner Familie ausschliesslich einheimischen Fichten der Weg ins heimische Wohnzimmer gewaehrt. Zu Opas Zeiten kam verschaerfend hinzu, dass sie am 24.12. bis Mittag abgesaegt werden mussten und keinerlei Obolus dafuer entrichtet werden durfte. Ich sage es noch deutlicher: Waldfrevel! Nur ein geklauter Baum ist ein guter Baum! Alles klar?

Zu Vaters Zeiten aenderte sich das allmaehlich. Mutti schimpfte, wenn Vater Heiligabend die Saege einpackte und sich Richtung Wald auf den Weg machte. Nachdem er ein paar Jahre nacheinander keinerlei Lob fuer seine makellosen, aber gewilderten Baeume ernten konnte, liess er sich endlich dazu herab, zu Weihnachten eine Fichte zu kaufen.

( Obwohl, -es gibt boese Zungen, die behaupten, sie waeren ganz in der Naehe gewesen, als der Foerster und sein Eleve Vater daran gehindert haben, tief im Dickicht des Lippischen Huegellandes sein schaendliches Tun an einer unschuldigen Fichte zu verwirklichen. Angeblich wurde er in diesem Jahr auch zum ersten Mal auf einem Weihnachtsbaummarkt gesehen.
Ich persoenlich erinnere mich nur noch vage, dass ich eines Weihnachtens, das sich zu meiner fruehen Kindheit begab, ueber den desjaehrigen ungewoehnlichen Geschmack des Christkinds eine unflaetige Bemerkung von mir gab, die mein Vater mit etwas wie: „…auch wert, in einer Wohnstube einen Platz zu finden.“ konterte.
Jedenfalls haben wir nie wieder unter einen so mickrigen, schiefen und spillerigen Christbaum gesungen, wie in jenem Jahr. Und, Obacht! eine kleine Fichte stand jetzt schon immer ein paar Tage vor Heiligabend im Holzschuppen.) 🙂

Gut, Praegung nennt man so etwas wohl. Fuer mich kamen also jedenfalls ausschliesslich richtige Baeumchen als Weihnachtsbaeume in Frage, bis…, ja bis Mandy und ich uns in England wiederfanden.

Die spinnen, die Briten! Total weihnachtsverrueckt!

All ueberall im Land sieht man hell und bunt und blinkend beleuchtete Haeuser und Vorgaerten mit hell und bunt und blinkend beleuchteten Rentierschlitten.
In Stratford upon Avon, schraeg gegenueber dem Haus, in dem der grosse Willi Shakespeare 1564 das Licht der Welt erblickte, gibt es ein Geschaeft, in dem man uebers ganze Jahr Weihnachtsgedoens kaufen kann, und zwar nur das und nichts anderes. Solche Geschaefte sind all ueberall uebers Koenigreich von Lizzy II. verteilt und werden auch im Sommer von zahlender zahlreicher Kundschaft beehrt.

Da sich unser Leben zu dieser Zeit und in diesem Land eh geaendert hatte, wir inzwischen ein Englisch sprachen, das kaum noch Aehnlichkeit mit dem hatte, was wir in der Schule gelernt hatten, Lebensmittel probierten, die wir vorher nicht als solche zu bezeichnen gewagt haetten, und dort solch eine Vielfalt an Plastikweihnachtsbaeumen zu sehen bekamen, wie wir sie noch nirgendwo gesehen hatten, beschlossen wir, uns ebendiese einmal naeher zu betrachten, bereit, mit einer weiteren Tradition zu brechen. Eine halbe Stunde spaeter: done! Wir stellten, wie alle anderen auch, schon in der Adventszeit unseren Weihnachtsbaum auf, einen wunderschoenen Kunstkitschbaum mit Nadelspitzen, die in staendig wechselnden Farben erscheinen.



Unser erstes Weihnachten mit einem Kunstbaum in unserem Cottage in East Keal/Lincolnshire

Er wird dann Sylvester, spaetestens am Neujahrstag, abgebaut, verpackt und eingelagert.

Schon im vierten Jahr erfreut er uns nun bereits mit seiner funkelnden Anwesenheit und verschoent unser Wohnzimmer.

Gestern stellte er seinen Dienst ein. Ein Fall fuer den Sondermuell? Ihr wisst ja, in England ist alles anders, vor allem alles, was in irgendeiner Form mit Elektrizitaet zu tun hat. Nein! Ein Fall fuer Gerald. Er hat alles durchgemessen, einen deutschen Trafo angeschlossen, dann noch die Lampe im Fuss ausgetauscht, Stecker eingesteckt. Bingo!

Danke, Gerald, du hast unser Weihnachten gerettet.

Nachtrag:
Habe soeben noch zwei Blogger gefunden, die sich mit Kunstbaeumen auseinandersetzen:
Den Ecki hat es ganz boese erwischt, tja, Kommunikation ist alles. 😉
Die Vorteile eines kuenstlichen Baumes schildert das Ostermann-Blog

Dog-Wash


„Die spinnen, die Briten!“

…haben wir zunaechst gedacht, als wir diese Outdoor-Hundewasch-Anlage in der Naehe von Boston gesehen haben.

Wash and go

Obwohl, eigentlich eine praktische Angelegenheit.


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