Pony von LKW erfasst

Durch unseren Ort führt eine Bundesstraße, schön breit mit Fuß- und Fahrradweg in beiden Richtungen. Wenn mal ein blau-silberner Passat irgendwo parkt oder ein kleiner schwarzer Kasten auf einem Stativ am Straßenrand steht, fahren die meisten mit angemessener Geschwindigkeit.

Sonst nicht!

Nie!

Gestern hat es das Pony unseres Nachbarn erwischt. Auf gerader Strecke. Direkt vor unserer Haustür.

Es hatte sich beim Umhüten auf einen anderen Teil der Weide mitsamt Führstrick der Einwirkung unseres Nachbarn entzogen und war auf die Bundesstraße gelaufen. Ein LKW hat es frontal erfasst und etliche Meter vor sich her geschoben. Das Pony war sofort tot.

Der Besitzer ist auch heute noch völlig fertig, sein Sohn macht ihm verbittert Vorwürfe. Sicherlich hat er versäumt, das Grundstück zusätzlich abzusichern, war vielleicht abgelenkt, wie auch immer…all das macht das Pony nicht wieder lebendig.

Für mich stellt sich eine andere Frage:

Wie kann es einem Berufskraftfahrer, der mit maximal 60 km/h eine geradeaus führende, breite Bundesstraße befährt, passieren, dass er aus seiner Fahrerposition, die sich etwa einen halben Meter über meiner Körpergröße befindet, am hellem lichten Tag ein dunkelbraunes Tier mit einem Stockmaß von ca. 1,60 m und 250 kg Körpergewicht derart übersieht, dass er nur eine Bremsspur von 80 cm zieht, das Pferdchen aber ungefähr 10 m vor sich her schiebt, bevor er zum Stillstand kommt?

Das Pony ist übrigens nicht plötzlich aus einer Seitenstraße oder hinter einem Haus hervor gehuscht, sondern befand sich nach Aussage des vorher fahrenden Autofahrers bereits auf der Straße!

Klar hat der Besitzer die Verantwortung für sein Tier. Aber die Polizei hat sich weder den Fahrtenschreiber des LKW-Fahrers zeigen lassen, noch haben sie irgendwelche Bremswege ausgemessen. Kaum vorstellbar, dass man als aufmerksamer Fahrer, bei vorschriftsmäßiger Fahrweise mit einem Überblick aus gut 2,50 m Augenhöhe nicht rechtzeitig zum Stehen kommen kann.

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17 Responses to “Pony von LKW erfasst”


  1. 1 Diva 6. Mai 2011 um 17:35

    Traurig! Das war bestimmt so ein LKW Fahrer der während der Fahrt Zeitung liest!
    L.G. Anja

  2. 3 charlotte sometimes 9. Mai 2011 um 09:49

    Trotzdem muss man auch dem Besitzer Vorwürfe machen. Wenn ich weiß dass sich auf der Straße keiner an die Geschwindigkeitsregeln hält, dann passe ich extra auf und lasse mich nicht ablenken.

  3. 4 highwayfloh 21. Mai 2011 um 12:32

    Hallo,

    erstmal möchte ich mein Bedauern ausdrücken, dass das Pony nicht mehr lebt. Um auf Deine Frage einzugehen, die Du gestellt hast:

    So einfach ist das nicht mit nem LKW eine Vollbremsung zu machen.
    Es kommt nämlich erstens darauf an, um welchen LKW-Typ es sich handelt (Sattelzug, Hänger- / Gliederzug oder Tandemhängerzug etc.), darüber hinaus was man für eine Ladung drauf hat.

    Ebenso ist die allgemeine Verkehrssituation zu beachten. Wenn ein LKW eine Notbremsung macht, besteht die Gefahr dass er trotz ABS etc. Ausbricht und trotz Ladungssicherung diese auf die Fahrbahn fällt (Spanngurte können auch mal reissen).

    Die Entscheidung für oder gegen eine Notbremsung muss innerhalb ein paar Zehntel-Sekunden gefällt werden und ist gewiss nicht leicht zu fällen.

    Vielleicht hat der Kollege / die Kollegin die Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer im Falle einer Notbremsung in dieser Situation als „gefährlichere Variante“ eingestuft, als mit dem Pony zu kollidieren.

    Natürlich kann dies das Pony nicht mehr lebendig machen und den Schmerz des Besitzers kann ich nachvollziehen.

    Auch wenn es so gut wie kein Trost ist, aber ich hoffe, meine Ausführungen helfen zumindest es zu „verstehen“.

    Eines kann ich auch versichern:

    Jeder der Kolleginnen und Kollegen wünscht sich immer eine unfallfreie Fahrt.

    Ich habe leider auch schon mal ein Eichhörnchen auf der Landstraße überfahren und es tat mir ewig leid, da ich die Tiere mag und allgemein tierlieb bin. Aber in einem solchen Fall ist es oftmals die risikoärmere Variante einen Zusammenstoß in Kauf zu nehmen.

    Ich denke nicht, dass die Kollegin / der Kollege das Pony absichtlich überfahren hat.

    • 5 ulli 24. Mai 2011 um 12:07

      Hallo Lothar (Highwayfloh),

      es geht mir gar nicht darum, den LKW-Fahrer an den Pranger zu stellen. Mir ist bekannt, wie anstrengend sein Berufsalltag ist, Termindruck, Verantwortung, Einhalten der Ruhezeiten, fehlende Parkmöglichkeiten, Druck vom Chef, Kunden. Den BAG nicht zu vergessen!

      Mir geht es eher darum, aufzuzeigen, wie schnell jeder Verkehrsteilnehmer in eine Situation kommen kann, in der Sekundenbruchteile zu einer Katastrophe führen können. Und wie wichtig es ist, sich dessen bewusst zu sein.

      Bei dem in den Unfall verwickelten LKW handelte es sich um einen Gliederzug, der Buchenholzstämme geladen hatte. Ein Geschleuder, das sicherlich mit Vorsicht zu handhaben ist, die Ladung mit Spanngurten verzurrt. Eine Vollbremsung kann damit sehr wohl zu einer Katastrophe führen!

      Aber: Gerade eine gut ausgebaute Straße sollte keinesfalls dazu verleiten, die nötige Aufmerksamkeit zu vernachlässigen, vor allem aber muss die Geschwindigkeit dem Gefahrenpotential des Fahrzeugs angepasst werden.

      Jeder Berufskraftfahrer sollte den Unterschied zwischen einer Bremsung aus 50 km/h und einer aus 70 km/h kennen. Wer weiß, wer oder was beim nächsten Mal auf die Straße läuft!

      Allzeit gute Fahrt, Ulli

      • 6 highwayfloh 24. Mai 2011 um 13:09

        @Ulli:

        Full ACK!

        Sehe ich genauso. Doch leider ist es in der Praxis so, dass, wenn ein LKW in einen Unfall verwickelt ist, es sofort schlagzeilenträchtig heisst: „Der war zu schnell, der war übermüdet“ etc. etc. …

        Das mit den heutigen LKW’s es sogar sicherer wäre, eine Geschwindikeit zuzulassen, die dem Verkehrsfluss entspricht (da Zugfahrzeug und Auflieger Scheiben-gebremst sind und Retarder haben etc.) bleibt aussen vor – leider!

        Ebneso wie aussen vor bleibt, dass manche „Sicherheits-Systeme“ sogar mehr Gefahren bergen als diese gut tun (z.B. der „Aktive-Brake-Assistent) im Actros von Mercedes! Dies sage ich aus eigener erlebter Erfahrung aus der Praxis!

        (Nur ein kleines Beispiel:

        Ich fahre auf der Autobahn, der Break-Assistent ist an:

        Ein PKW schert bei regennasser Fahrbahn sehr knapp im Abstand von nur 5 m vor mir ein … der Sensor des Break-Assistenten erfasst das Hinderniss und führt automatisch eine Vollbremsung aus! Ich hab zu tun, dass ich nicht im Graben Lande, weil mir der LKW dadurch kurz vorm ausbrechen und abschmieren ist!

        Ist doch logisch, dass ich als erstes, wenn ich den Motor starte das Teil ausschalte, eben weil ich mich auf „meine“ Erfahrung eher verlassen kann, wie auf die des „Sensors“…

        Ist doch verständlich, oder?

        Aber genau das, wird dann in der „Yellow-Press“ schlagzeilenträchtig ausgeschlachtet…)

        Unwidersprochen bleibt natürlich die Verantwortung, die wir LKW-Lenker/innen im Straßenverkehr haben, und die ist immens!

        Und ich wiederhole nochmals: Trotz des geschilderten Vorfalls, kann ich mit Sicherheit sagen, dass der überwiegende Anteil der Fahrer/innen verantwortungsvoll fährt.

        Publik wird – leider – nur der Prozentsatz, der dies nicht tut, da medienwirksamer!

        PS:

        Ich gehe davon aus, dass Dein Kommentar sich auch auf meine heutige Email an die Blogadresse bezieht. Von daher würde es mich dennoch freuen, wenn Du mein Angebot annehmen würdest.

  4. 7 highwayfloh 21. Mai 2011 um 12:36

    @Diva:

    kleiner Nachtrag an Dich:

    Es gibt genug LKW-Fahrer-Blogs in denen die Bedingungen unter denen wir arbeiten (müssen) _sachlich_ geschildert werden.

    Schau da mal rein, vielleicht bekommst Du dann ein bisschen ein anderes Bild von den „scheiss LKW-Fahrern / LKW-Fahrerinnen“ (ich hoffe es zumindest).

  5. 8 Staukisten 24. November 2011 um 11:43

    Das arme Tier, trotdem ein toller Bericht !

  6. 9 Helmut 16. Februar 2012 um 23:42

    Ohje, sowas tut mir immer sehr sehr leid. Das Arme Pferd, ich hoffe, dass es keine Schmerzen erleiden musste 😦

  7. 10 Anja 15. Mai 2012 um 15:22

    Oh je, auch von mir: Herzliches Beileid!

  8. 11 Larissa 9. Juli 2012 um 11:57

    Oh das arme Pferd! Ich finde so was echt schlimm und ich bin auch der Meinung, dass man sowohl dem LKW Fahrer die Schuld für seine Unaufmerksamkeit geben sollte, aber auch dem Besitzer. Wenn ich mit meinem Pferd auf Straßen unterwegs bin, bin ich noch 1000mal vorsichtiger und Aufmerksamer als sonst schon. Man weiß doch, wie manche LKW- / Autofahrer so drauf sind!! =( Das arme Pferd

  9. 12 Mich 6. September 2012 um 06:47

    Oh man, das arme Pferdchen :/ Tut einem ja in der Seele weh das zu lesen! Mein Beileid!
    Michelle

  10. 13 Lutz 5. November 2012 um 17:19

    Hmmm…..
    Du schreibst das Pony wurde 10m mitgeschleift und es gab eine Bremsspur von etwa einem Meter.

    Das sagt mir, das der LKW Fahrer das Pony durchaus gesehen und schon deutlich die Geschwindigkeit reduziert hatte!
    Denn 15 Meter Bremsweg bedeutet, das er, als er die Vollbremsung angefangen hat, maximal 30km/h schnell war.

    Wenn auf der Straße 60km/h das Tempolimit ist, kann man daher wohl sicher annehmen, das er das Tier schon gesehen hat und vorsichthalber die Geschwindigkeit verringert hatte.
    Leider verhalten sich Tiere (ähnlich wie Kleinkinder und manche Erwachsene) in solchen Situationen relativ unverhersehbar und daher ist es wahrscheinlich, das der LKW-Fahrer dann einfach einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern konnte, da das Tier plötzlich eine Kehrtwende oder ähnliches gemacht hat. Ab einer gewissen Distanz kann man einfach nichts mehr machen. Und großräumig umfahren geht ja leider nun mal nicht…..

  11. 14 Die Schwangere 7. November 2012 um 09:25

    Bei uns im Ort ist gerade etwas Ähnliches passiert, deshlab bin ich beim Suchen dannach auf diesen Artikel gestoßen. Frage mich auch tatsächlich, wie soetwas passieren kann. Es handelt sich hier schließlich um ein Pferd und keine Katze o.Ä., was man schnell mal übersehen kann. Da kann ich tatsächlich nur mit dem Kopfschüttel.

    Gut, mangels Detailnformationen, möchte ich den Fahrer nun nicht direkt an den Pranger stellen, vielleicht ist das Perd ja plötzlich aufgetaucht und der Fahrer hat gerade die CD gewechselt. Kann alles sein – furchtbar finde ich es trotzdem.
    Das Pferd bei mir aus dem Ort gehörte einer Freundin – und die ist nun auch fix und fertig!

  12. 15 Die Schwangere 7. November 2012 um 09:46

    Achso, kleiner Zusatz noch: Der Fahrer (der in meinem Dorf) wurde gefasst und von der Polizei befragt. Da man ihm keine Fehler im Fahrverhalten nachweisen kann, wird auch keine Strafe ausgesetzt.

  13. 16 Sodbrennen 3. Januar 2013 um 09:59

    Och mein Gott, was für eine Horrorgeschichte! Mein Beileid dafür! Auch was hier in den Kommentaren steht! Hui auch dafür mein Beileid! Ich habe selber ein Pferd und kann mitfühlen!
    Gruß
    Johannes

  14. 17 Diätplan 14. März 2013 um 18:09

    Hatte heute Vormittag auf dem Weg zur Arbeit einen Wildunfall und bin beim recherchieren auf dieser Seite gelandet. Das Reh ist leider verstorben, nachdem ich den zuständigen Jäger allamiert habe.

    Traurige Geschichte und natürlich nciht mit meiner vergleichbar. Meine Tochter hat auch ein kleinen Pony und ich kann mir vorstellen, wie traurig Sie wäre.

    Grüße
    Jens


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