Würmer?

Bevor ich euch in den nächsten Tagen noch ein paar Eindrücke und Merkwürdigkeiten aus Italien zeige, muss ich euch noch einen Fall schildern, der uns den letzten Arbeitstag vor unserem Urlaub mit einem mulmigen Gefühl beschließen ließ.

Ob wir uns mal ihr Kaninchen ansehen könnten, es sei zwar schon acht Jahre alt, aber in den letzten Tagen sehr schlapp und es könnte sein, dass es Würmer hätte, zumindest meint sie, sie hätte am Hinterteil welche gesehen.

So die Frau, die telefonisch anfragte.

Gut, soll sie mit dem Kaninchen noch in die Praxis kommen, am besten gleich.

Mutter und Sohn erscheinen mit dem Karnickel im Karton. Die Löffel hat es aufgestellt, es ist nicht abgemagert, die Krallen sind Zentimeter lang. Es bewegt sich überhaupt nicht und die Untersuchung des Analbereichs trifft uns mit voller Wucht. Unter dem Fell ist eine wellenartige Bewegung feststellbar. Bloßes Berühren der Haare lässt sie büschelweise ausfallen. Darunter sind Hundertschaften von Maden in allen Entwicklungsstadien damit beschäftigt zu fressen.

Sie fressen das lebende Kaninchen!

Ich erkläre, dass das Kaninchen nicht unter Würmern, sondern unter einem massiven Madenbefall leidet und frage, wann sie denn bemerkt hätten, dass mit dem Tier etwas nicht stimmt.

Es stellt sich heraus, dass das Langohr dem Sohn gehört, er aber schon vor Jahren das Interesse daran verloren hat und es nicht mehr bespielt. Nein, es hatte auch nie einen Artgenossen als Partner, weil, wie man ja weiß, vermehren sich Karnickel wie die Karnickel. Meine Frage nach den Geschlecht können sie nicht beantworten, wir können es, wie der oben beschriebene Zustand vermuten lässt, auch nicht feststellen. Letztendlich ist es ja nun auch egal. Ich weise aber trotzdem noch darauf hin, dass man Kaninchen nicht alleine halten sollte, dass man zwei, drei Häsinnen gemeinsam halten kann, ohne dass sie auch nur einen einzigen Nachkommen erzeugen und dass es bei Böcken die Möglichkeit der Kastration gibt, die ebenfalls Nachkommenschaft ausschließen können sollte.

Für das weitere Vorgehen ist es zwingend notwendig, das Tier zu narkotisieren, dürfen wir aber nicht, darf nur ein Tierarzt, auf den wir nun zur weiteren Behandlung verweisen.

Nun wollen die Besitzer aber nicht, dass das Kaninchen weiter leidet und fragen uns, ob es nicht wohl besser sei, es zu erlösen.

Diese Frage könnten wir allerdings erst nach noch eingehenderer Untersuchung beantworten, die aber nur unter Betäubung möglich wäre. Eigentlich zielte die Frage aber eher darauf, ob wir das Tier nicht einschläfern könnten, was ich ebenfalls verneinen musste, da auch diese Maßnahme den Tierärzten vorbehalten ist.

Einigermaßen enttäuscht packten sie ihr Kaninchen wieder ein und versprachen, gleich einen mir unbekannten Tierarzt aufzusuchen.

In diesem Fall hoffe ich, dass die Leute umgehend zu ihm gefahren sind, um das Kaninchen einschläfern zu lassen. Zwar hielten wir eine Heilung unter entspechenden Maßnahmen für möglich, aber es war deutlich zu bemerken, dass den Patientenbesitzern jede weitere Mühe um das Kaninchen als Zumutung erschien. Was hilft es dann diesem Tier, wenn es gesund behandelt wird, anschließend aber dazu verdammt ist, weiterhin im Keller vor sich hin zu vegetieren?

Es gibt so Tage, …

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11 Responses to “Würmer?”


  1. 1 Balvenie 21. Juli 2010 um 11:34

    Das macht mich richtig traurig, das arme Kaninchen! Und es zeigt mal wieder, dass Kaninchen nur bedingt als Haustiere für Kinder geeignet sind. Die sind einfach nur eine begrenzte Zeit interessant, aber außer streicheln und mal mit ’ner Möhre füttern kann man nicht viel mit denen machen – O-Ton Nachbarskind. Dieses Nachbarskind hat seit knapp einem Jahr einen Hund, seither ist das Kaninchen abgemeldet und hockt die ganze Zeit in seinem Miniverschlag. Früher hoppelte es eigentlich ständig im Garten herum, jetzt sehe ich es kaum noch.

  2. 3 Balvenie 21. Juli 2010 um 11:34

    Oh, ganz vergessen: Schön, dass Ihr einen schönen Urlaub hattet und ebenso schön, dass Ihr jetzt wieder da seid!

  3. 4 charlotte sometimes 21. Juli 2010 um 12:10

    Sowas ist einfach nur tragisch. Hatte selbst Kaninchen, und jedes Mal wenn eines gestorben ist (waren über die Jahre vier verschiedene) war das unglaublich schlimm. Manchmal passiert das allerdings selbst wenn man wie ich jeden Bohei ums Haustier macht, und wenn die Tiere Minuten vorher noch fröhlich durchs Haus hüpfen umso mehr. Aber solche Leute wie in dem Fall oben sollten niemals Tiere haben. Wer einen Madenbefall nicht bemerkt, der merkt auch sonst nichts. Kaninchen sind keine Spielzeuge, das sollten Eltern endlich mal begreifen. Meine Cousine ist auch so ein Arsch (tschuldigung) der statt Krallen und Zähne kürzen zu lassen (Muss ja immer ein Widder sein weil süßer obwohl die häufig unter eben jenen Fehlstellungen leiden) das Tier verhungern lässt. Da kommt dann: Futter hat er aber immer gehabt! (Nur mit dem kauen hat’s nicht recht geklappt, gell?)
    Mann kotzt mich das an!

    (schau mal auf http://www.4od.com nach der Doku „special needs pets“, da geht es um Menschen denen kein weg zu weit ist ihren behinderten Tieren ein angenehmes leben zu bereiten ohne immer gleich einschläfern zu lassen)

    • 5 ulli 24. Juli 2010 um 17:12

      Hallo Charlotte,

      eins muss ich klarstellen. Wir kennen Dutzende von Besitzern kleiner Heimtier, die bereit sind, für die Gesundheit ihrer schutzbefohlenen tierischen Freunde ein Vielfaches vom Einkaufswert zu bezahlen.

      Diese Menschen haben aber auch eine liebevolle Beziehung zu ihrem Tier aufgebaut, kümmern sich und lassen es natürlich nicht verwahrlosen.

      Bloß, mal ehrlich, „Kaninchenbesitzer XYZ kam heute in unsere Praxis, um die Krallen seines Lieblings schneiden zu lassen“ ist nicht sonderlich bemerkenswert als Blogartikel, oder?

    • 6 charlotte sometimes 28. Juli 2010 um 18:54

      Ich weiß, die meine ich auch nicht. Aber vor allem Kaninchen sind anfällig dafür als Geschenk in falschen, weil unerfahrenen Händen zu landen. Wie gesagt, ich kenne solche Spezialisten auch persönlich.

  4. 8 Lillian 22. Juli 2010 um 10:29

    Dürft Ihr eigentlich im Falle des Verdachtes auf Vernachlässigung ein Tier einbehalten? Bei der Beschreibung ist das ja eigentlich gegeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bei ein bisschen Umsicht so was als Halter nicht schon sehr viel früher bemerkt.

    • 9 ulli 24. Juli 2010 um 17:27

      Hallo Lillian,

      ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

      Zumindest hatten wir von diesem Tierbesitzer die Zusage, einen Tierarzt aufzusuchen. Jemand, der sich mit seinem Tier nach Hilfe umsieht, beim Veterinäramt anzuzeigen, wäre sicherlich nicht korrekt.

      Gib mal „Schlappohr“ in das Suchfenster ein, wir hatten schon mal den Fall, dass wir mit Einzug des Tieres gedroht haben.

      Madenbefall kann vorkommen, entscheidend ist, dass der Tierbesitzer etwas unternimmt. Ob es in diesem Fall schon zu spät dafür war, kann ich nicht definitiv sagen. Sicherlich aber konnte das der Tierarzt, den sie hoffentlich aufgesucht haben.

      Die Entscheidung über Behandlung oder Einschläfern liegt aber letztendlich beim Tierbesitzer.

      In diesem Fall, meine ich zu wissen, wie er sich entschieden hat.

  5. 10 Ninchen 23. Juli 2010 um 21:21

    Das Problem bei Fliegenmaden ist, dass die sich innerhalb kürzester Zeit „ins Tier arbeiten“. Habe gerade in letzter Zeit vermehrt von Tieren gehört, die abends noch auf Maden kontrolliert wurden, ohne Fund, und die am nächsten Morgen dann schon stark angefressen waren. Und die Aussagen kamen alle von Leuten, die sich sehr um ihre Tiere kümmern, das kann ich versichern.


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