Bellas Auge und die Tierärzte V.

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Sind wir blauäugig! 😦

Hatten wir bisher noch vermutet, dass die Ärztin ein Spot-On-Präparat gegen Aussenparasiten in Bellas Nacken geträufelt hatte, brachte uns Herr Mayers Anruf am Abend die totale Ernüchterung.

Advocate heißt das Mittel. Das ist von Bayer.“

Jawoll!

Dieses Mittel wird als die pharmazeutische Wunderwaffe schlechthin gegen Flöhe, Ohrmilben, Sarcoptes-Räude, Demodikose und Haarlinge angepriesen. (Warum eigentlich nicht gegen Zecken?)

Aber nicht nur gegen diese. Auch bestimmte Arten von Herz- und Lungenwürmern, sowie Nematoden, Spulwürmer, Hakenwürmer und Peitschenwürmer im Magen-Darmtrakt sollen vergiftet werden. (Und was ist mit Bandwürmern?)

Nun gut, all diese Parasiten sind prächtig geeignet, Ängste zu schüren. Abhilfe bringt der Inhalt einer Plastikpipette, der in den Nacken des Tieres geträufelt wird. Das wiederum bereitet mir Angst. Der behandelnde Tierarzt braucht keine Diagnose zu stellen. Er verkauft den Giftcocktail als Rundumschlag gegen alle parasitären Eventualitäten. Der Tierbesitzer gibt seine Verantwortung an eine Plastikampulle mit Chemie ab und kann sich beruhigt zurück lehnen?

Den Beipackzettel liest er gar nicht erst, das macht er bei seinen, vom Hausarzt verschriebenen Medikamenten ja auch nicht. Dabei sollten beim Studium dieser Lektüre Fragen auftauchen, wenn man unter den Absatzüberschriften:

Indikationen
Anwendungseinschränkungen
Unerwünschte Wirkungen

nachliest.

Bequemlichkeit und Gier nach Geld haben in Heilberufen nichts zu suchen. Was kommt nach der freizügigen Gabe von Breitbandantibiotika und Breitbandziden? Chemotherapie für alle?!

In Bellas Fall gab es gar keinen Grund, dieses Mittel anzuwenden. Bei ihrer Vorgeschichte sollte der Hinweis, das Präparat nicht bei kranken, geschwächten Hunden einzusetzen, dem Tierarzt zu denken geben und ihn davon abhalten, es zu applizieren. Wenige Stunden nach einer Operation, wenige Zentimeter von der Operationsstelle, sowieso!

Warum man die Entgiftungsorgane des Hundes, die soeben Höchstleistungen zu vollbringen haben, um die Narkosemittel abzuarbeiten, zusätzlich und ohne zwingende Indikation mit den Giften aus Advocate belastet, erschließt sich mir überhaupt nicht.

Macht sich ein behandelnder Arzt keinerlei Gedanken darüber, wie sich ein Mittel wie Advocate, das all die oben beschriebenen Wirkungen haben soll, auf die Darmflora und damit auf das Immunsystem auswirkt?

Warum soll das Mittel alle vierzehn Tage eingesetzt werden, wenn der Hersteller eine vierwöchige Gabe vorschlägt? Kann es sein, dass sich bereits Resistenzen gebildet haben? Ich hörte von einer Tierärztin in Süddeutschland, dass Bayers Pharmareferenten beim Besuch der Praxen mündlich empfehlen, die Abstände zwischen den Anwendungen zu halbieren.

Es sollte schlichtweg verboten sein, Medikamente ohne vorhergehende Diagnose zu verordnen. Auch vorbeugende Maßnahmen sollten stichhaltig begründet werden müssen.

Kurz: Ethik sollte -besonders in Heilberufen- Mammon übergeordnet sein.

Schade, diese Praxis hat fachlich, die Operation des Entropiums betreffend, hervorragende Arbeit abgeliefert. Der weitere Umgang mit dem Patienten, dem Patientenbesitzer und somit dem von mir erteilten Auftrag entsprach allerdings überhaupt nicht den Erwartungen.

Dabei könnte eine Zusammenarbeit so einfach und für alle Beteiligten hilfreich sein!

13 Responses to “Bellas Auge und die Tierärzte V.”


  1. 1 Hanne 20. Juni 2010 um 16:27

    Uff – das ist ja noch schlimmer als vermutet. „Normales“ Spot on wäre ja schon schlimm gewesen, aber dann noch so ein „Holzhammer-Rundumschlag“…. Wirklich schade, dass auf der einen Seite eine gute Behandlung läuft (Entropium) und der gute Eindruck dann durch gedankenloses und geldgieriges (?) Verhalten (Advocate) wieder zunichte gemacht wird.

    Und Beipackzettel – häufig erhält man ja bei Tierärzten das Medi aus Klinikpackungen und dann keinen „Waschzettel“ dazu. Wobei das Verstehen dieser dem Laien auch häufig eher schwer gemacht wird.

    Eine spannende Geschichte – wie geht es Bella denn jetzt? Herr Mayer hat das Advocat doch hoffentlich dem TA zurückgegeben?

    LG Hanne

    • 2 ulli 21. Juni 2010 um 22:47

      Wir führten bei Bella noch die Ausleitung der chemischen Mittel durch. Das Auge ist nach der Operation beinahe optimal geraten.

      Herr Mayer hat uns erst jetzt noch Einzelheiten über das Gesamtgeschehen erzählt, die ich jetzt aber nicht weiter breit treten möchte.

      Nur ein Schmankerl noch:
      Bei der zweiten Nachuntersuchung sah sich die TÄ das rechte Auge 😉 an und war hocherfreut, dass es so gut verheilt war. Sie reagierte recht patzig auf Mayers Hinweis, sie hätte doch das andere Auge operiert. Erst als sie sich herabließ, das linke Auge zu begutachten, räumte sie ein, dass der Vermerk im Computer wohl falsch gewesen wäre.

      Herr Mayer sollte noch zu weiteren Untersuchungen kommen, was er aber vehement abgelehnt hat.

      Nein, das Mittel hat er ihr nicht zurück gegeben.

  2. 3 charlotte sometimes 21. Juni 2010 um 18:28

    wenn man in eine normale apotheke geht und ibuprofen oder aspirin kauft, wird man auch nicht gefragt ob man schon mal ein magengeschwuer hatte (oder gerade hat) dabei kann das zeug einem ein loch in die schleimhaut beizen wenn man da eh zanfaellig fuer ist. wie schon gesagt, wo geld ist ist gier, und gehirn hat eine silbe zuviel um da ins schema zu passen. nicht nur in heilberufen uebrigens.

  3. 4 Hanne 21. Juni 2010 um 22:51

    Na, zumindest ist die ganze Arie dann für Bella ja gut ausgegangen, wenn sie denn jetzt keinen Ärger mehr mit dem Auge hat. Und der arme Herr Mayer ist jetzt wahrscheinlich dauergeschädigt in punkto TÄ (dabei gibt’s auch gute!).

    @charlotte: Ja, drum ist’s m.E. die so genannte „Selbstfürsorge“ so wichtig, sprich, dass man sich um seine Belange kümmert und sich dafür einsetzt – und schon gar nicht unreflektiert das glaubt, was irgendein Weißkittel oder vermeintlicher Fachmann erzählt.

    So denn, LG
    Hanne mit Rudel

  4. 5 Herr Teddy 23. Juni 2010 um 09:52

    Ich wiederhole mich da gern, aber man sollte grundsätzlich und immer mißtrauisch gegenüber den Ärzten und den Medikamenten sein. Nicht nur bei sich selbst sondern im Besonderen auch bei Kindern und bei Haustieren, für die man die Verantwortung übernommen hat und die einem hoffnungslos vertrauen.

  5. 6 Soni 23. Juni 2010 um 10:07

    Nicht zu fassen. Ich hatte zwar keine andere Idee als diese Spot-On Präparate, wartet aber nun doch gespannt ob es nicht eine andere Erklärung dafür gibt. Denn ich konnte mir nicht wirklich vorstellen das der Tierarzt sowas einem frisch operierten Hund in den Nacken schüttet und dann auch noch mit der Anweisung alle 14 Tage, da kann ich nur den Kopf schütteln.

    Na wenigstens ist das Auge jetzt ok. Ansonsten eine Tierarztpraxis zum Abgewöhnen.

    LG Soni

  6. 7 Balvenie 5. Juli 2010 um 12:12

    Schön, dass wenigstens Bellas Auge gut verheilt.
    Das ist aber wohl das einzig Positive an der Sache. Ich bin regelrecht entsetzt über das Verhalten des Tierarztes bzw. der Vertretungsärztin und hoffe inständig, dass Bella nicht so schnell wieder eine tierärztliche Behandlung braucht.
    Denn ob Herr Mayer sich noch einmal dazu durchringen kann, mit Bella zu einem Tierarzt zu gehen, ist wirklich fraglich – wer könnte es ihm verdenken?

  7. 8 Joe 20. Juli 2010 um 23:13

    Advocate hat eine Menge an unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Sie gehen fast täglich bei den Behörden ein und viele viele Haustiere überstehen die Behandlung damit nicht.
    Aufgrund dieser Erfahrungen versuche ich dieses Spot-On nach Möglichkeit nicht zu verwenden bzw. nur, wenn mindestens ein kompetenter Arzt eine gesicherte Diagnose gestellt hat und andere Präparate den gewünschten Heilungserfolg nicht oder nicht ausreichend in Aussicht stellen.

    • 9 ulli 24. Juli 2010 um 16:52

      Hey Joe,
      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Mich interessiert, bei welchen Behörden diese Meldungen eingehen und welche Nebenwirkungen die häufigsten sind, bzw. welche zum Tode führen.

      Kannst du dich desbezüglich noch einmal äußern?

      Klar, dass es bei Hunden mit bestehendem MDR1 Defekt zu Todesfällen kommen kann, wenn dieser nicht bekannt war und Advocate trotzdem gegeben wurde. Fahrlässig, so etwas!

      Meiner Meinung nach wird das Mittel in den meisten Fällen vorbeugend gegeben. Das Geschäft mit der Angst des Tierbesitzers!

  8. 10 Tilia Salix 21. Juli 2010 um 10:52

    Boah, ich bin ja entsetzt, was ihr so für Tierärzte in eurer Gegend habt. Unsere Tierärztin würde NIEMALS ein Mittel ungefragt verabreichen, schon gar nicht in so einer Situation …

    • 11 ulli 24. Juli 2010 um 16:57

      @Tilla Salix

      Ich bin nicht sicher, dass es so etwas nur bei uns in der Gegend gibt.

      Ebenso glaube ich nicht, dass in unserer Gegend alle Tierärzte so handeln.

      Das wäre ja schlimm.

  9. 12 Tilia Salix 28. Juli 2010 um 09:34

    @Ulli: Klar, schwarze Schafe gibt’s überall, aber so gehäuft wie im Falle der armen Bella und ihres Herrchens habe ich das bisher noch nicht gehört. Und am eigenen Leib erleben müssen zum Glück auch noch nicht. Ich drück die Daumen, dass ihr den richtigen tierärztlichen Partner auftreiben könnt, sollte es noch mal nötig werden.


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