Bellas Auge und die Tierärzte IV.

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Für die Fallaufnahme trafen wir uns zwei Tage danach alle in der Tierarztpraxis. Herr Mayer war sehr nervös und so musste ich einige Fragen beantworten, die eigentlich an ihn gerichtet waren. Die tierärztliche Untersuchung der Augen bestätigte unsere Diagnose und am Ende erklärte sich Bellas Herrchen bereit, sie operieren zu lassen. Ein OP-Termin für die kommende Woche war schnell festgelegt.

Draussen bestärkte ich Herrn Mayer noch einmal in seinem Entschluß und bat ihn, Bella nach der Operation wieder bei uns vorzustellen, um ihr zu helfen, die Narkosemittel wieder auszuscheiden.

Ich vergaß noch zu erwähnen, dass der Tierarzt während der Untersuchung verlautbarte, dass er normalerweise eine kortisonhaltige Salbe anwenden würde, dies aber sicher im Widerspruch zu unserer bisherigen Behandlung stünde und deshalb wohl nicht in Frage käme.

Richtig!

Er erklärte sich auch bereit, Bella nach der Operation Zeit zum Aufwachen zu geben, also kein zusätzliches Aufweckmittel einzusetzen.

Sehr schön!

Am Abend des Operationstages erscheint Herr Mayer mit Bella in unserer Praxis. Die Operation ist gut verlaufen und die Hündin ist wieder wach und klar. Zum Fäden ziehen sollen sie wieder in der Tierarztpraxis erscheinen.

Herr Mayer war etwas erstaunt, dass nicht der untersuchende Tierarzt die Operation vorgenommen hat, sondern seine Kollegin, die bisher noch gar nicht in Erscheinung getreten war. Beiläufig erzählte er uns noch, dass sie Bella vor dem Verlassen der Praxis etwas in den Nacken geträufelt hätte, verbunden mit der Anweisung an ihn, diese Aktion mit den restlichen Ampullen der angefangenen Packung alle vierzehn Tage zu wiederholen.

Mandy und ich guckten erst uns, dann Herrn Mayer an:

„Was war das? Wie hiess das? Hat sie was gesagt, wofür das gut sein sollte? Sind Sie sicher, Sie sollen das alle vierzehn Tage geben?“

Herr Mayer war jetzt ganz erschrocken, er konnte uns den Namen des Mittels nicht sagen, wusste nicht wofür oder wogegen es aufgetragen wurde, war sich aber sicher, dass er es alle zwei Wochen in den Nacken von Bella tröpfeln sollte.

Wir erklärten ihm, dass es sich wahrscheinlich um ein Spot-On-Präparat gegen Außenparasiten handelte. Wir erklärten ihm weiter, dass wir, wenn es sich denn darum handeln sollte, den Einsatz eines solchen Giftcocktails besonders bei einem frisch operierten Hund, angebracht Luftlinie maximal fünfzehn Zentimeter vom Operationsort, für vollkommen verantwortungslos halten.

Herrn Mayer baten wir noch, uns gleich von daheim anzurufen, um uns den Namen des Mittels mitzuteilen. Es konnte sich doch nur um ein Spot-On-Mittel gegen Flöhe und Zecken handeln, oder?!

Ach ja, und auf jeden Fall sollte er nicht gestatten, dass seiner Bella beim Fadenziehtermin auch noch eine chemische Wurmkur verabreicht würde.

Sind wir blauäugig! 😦

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12 Responses to “Bellas Auge und die Tierärzte IV.”


  1. 1 Soni 5. Juni 2010 um 21:49

    Also mir fällt da spontan nichts anderes ein als Spot-On gegen Parasiten. Aber warum fragt man denn da nicht sofort nach, hm. Also bevor einem meiner Tiere irgendwas verabreicht wird will ich genau wissen was es ist und wofür es ist, um entscheiden zu können ob ich es für notwendig halte. Na da bin ich ja mal gespannt.

    LG Soni

    • 2 ulli 7. Juni 2010 um 21:29

      Du bist halt anders als Herr Mayer. Der kann das nicht.

      „So, und das träufeln wir der Bella jetzt noch in den Nacken. Das wird ihr gut tun.“ -Und schon war es passiert.

  2. 3 Balvenie 7. Juni 2010 um 11:49

    Hatte Bella denn Parasiten? Das glaube ich wohl eher nicht. Und selbst wenn, wäre es wirklich absolut unverantwortlich, einem frisch operierten Tier so ein Teufelszeug zu verabreichen, ohne den Halter vorher zu fragen! Unverantwortlich und dreist abzockend noch dazu (was schon mal drauf ist, muss ja auf jeden Fall bezahlt werden)! *kopfschüttel*

    Aus eigener Erfahrung (also nicht an mir selbst, sondern an meinem Kater ;-)) weiß ich leider nur zu gut, dass auch ein kerngesundes Tier größte Schwierigkeiten mit dem Zeugs bekommen kann. Es hat Wochen gedauert, bis die fünfmarkstückgroßen kahlen Fellstellen im Nacken nachgewachsen sind.

    Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie das nach einer Narkose/Operation aussehen könnte!

    • 4 ulli 7. Juni 2010 um 21:58

      Bella hatte keine Flöhe, Zeckenzeit hatte noch nicht begonnen. Diese Problematik war aber schon Thema bei den Gesprächen in unserer Praxis, stand aber zu dieser Zeit nicht im Vordergrund.

      Beim Vorgespräch hatte der Tierarzt sogar noch gefragt, ob Bella sich kratzt oder gnabbelt, was Herr Mayer mit einem: „Das hat aufgehört, seit, seit wir hier…“ -Blick zu mir- „ja, seit wir zu euch gegangen sind.“

  3. 5 Soni 7. Juni 2010 um 22:24

    Ich bin da halt kein so guter pflegeleichter Patient 🙂 und meine Tierärztin weiß das auch. Sie käme nie auf die Idee selbständig ohne Absprache irgend etwas zu verabreichen. Und schon klappt das mit uns auch prima.

    LG Soni

    • 6 ulli 7. Juni 2010 um 22:43

      „Sie käme nie auf die Idee selbständig ohne Absprache irgend etwas zu verabreichen.“

      Ja Soni, du bist nicht pflegeleicht und deine TÄ weiß das.

      Wenn man aber weiß, dass man mit einem eher schüchternem oder gar vertrauensseeligem Patientenbesitzer alles machen kann, sollte man es dann auch tun?

      Ganz sicher nicht!

      Meiner Meinung nach muss man Aufklärung über das geben, was man zu tun gedenkt.

  4. 7 Hanne 17. Juni 2010 um 08:52

    Spannende Geschichte, wenn ich Bella auch bessere TÄ gewünscht hätte.

    Da merke ich mal wieder, wie gut ich es bei unserer Haustierärztin getroffen habe – keine überflüssige Medikamentengabe, schon gar nicht ohne Absprache / Aufklärung. Lieber nach dem Motto „weniger ist oft mehr“. Okay, es mag dran liegen, dass ihr bekannt ist, dass ich ein recht kritischer Patientenbesitzer bin und man mich von Berufs wegen nicht mit Fachtermini „mundtot“ machen kann. 😉

    Ich wäre der Frau TÄ im hier geschilderten Fall mit Anlauf „ins Gesicht gesprungen“ – wenn einer an meinen Tieren rummanipuliert, dann nur mit meinem ausdrücklichen Einverständnis, was nun mal eine Aufklärung voraussetzt. Einfach irgendwas „abnicken“ geht bei mir gar nicht. Und einfach ohne Info an mich eine Kollegin machen lassen, würde mich auch auf die Palme jagen. Meine Tiere werden von dem- oder derjenigen behandelt, die sie kennen und denen sie trauen – nicht von irgendwem. Punkt. Basta. 😉

    Klar, nicht jeder ist so „griffig“ wie ich mit Ärzten, kann/mag auch nicht jeder sein. Aber selbst wenn der Patientenbesitzer eingeschüchtert vom „Weißkittel“ dasteht und den Mund nicht aufbekommt – in meinen Augen ist der TA dann besonders zur Aufklärung verpflichtet und muss auch erst mal das Einverständnis abwarten. Den Besitzer so quasi einfach zu entmündigen, finde ich gelinde gesagt unverschämt.

    OT: Ich h abe mich auf diesen Seiten sehr wohl gefühlt und bin glatt länger geblieben, als eigentlich geplant 😉 Komme sicher öfter wieder!!

    Liebe Grüße Hanne

    • 8 ulli 17. Juni 2010 um 23:21

      Auch ich hatte mit einem anderen Verlauf gerechnet.

      Einen Mann wie Herrn Mayer so zu überrumpeln ist schon mal total daneben, mein Vertrauen nach den intensiven Vorgesprächen zu missachten, erscheint mir ebenfalls nicht besonders edel und besonders verantwortungslos ist der medizinisch nicht vertretbare Einsatz des Spot-Ons, auf das ich im letzten Teil der Geschichte noch eingehen werde.
      (Ich weiß, er ist längst überfällig)

      Liebe Hanne,
      vielen Dank für dein OT-Kompliment. Tut immer wieder gut, ein bisschen getätschelt zu werden.

      Ulli

  5. 9 Hanne 18. Juni 2010 um 22:21

    Hallo Ulli,
    na, was heißt hier „tätscheln“? Wenn’s denn nun mal so ist… Bin ja schon wieder hier 😉

    Aber zurück zum Thema Bella: Vielleicht sollte man dem TA mal deutlich machen, dass er zum einen Herrn Mayer nicht hätte so überfahren sollen und zum anderen Dich auch in Deinem Vertrauen enttäuscht hat. Wäre mal gespannt, was er dazu sagt.
    Spot on bei frisch operiertem Tier – nenne ich Kunstfehler.

    (Abgesehen davon bin ich super-neugierig,wie es weitergeht! *drängel*)

    Liebe Abendgrüße
    Hanne

  6. 10 Ambrose Weaver 20. Juni 2010 um 09:07

    Ich wäre der Frau TÄ im hier geschilderten Fall mit Anlauf „ins Gesicht gesprungen“ – wenn einer an meinen Tieren rummanipuliert, dann nur mit meinem ausdrücklichen Einverständnis, was nun mal eine Aufklärung voraussetzt. Einfach irgendwas „abnicken“ geht bei mir gar nicht. Und einfach ohne Info an mich eine Kollegin machen lassen, würde mich auch auf die Palme jagen. Meine Tiere werden von dem- oder derjenigen behandelt, die sie kennen und denen sie trauen – nicht von irgendwem. Punkt. Basta.
    +1


  1. 1 Bellas Auge und die Tierärzte V. « Pfoetchen-Blog Trackback zu 20. Juni 2010 um 16:14

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