Archiv für 19. September 2009

Kackende Hunde werden erschossen

Irgendwo in den umliegenden Haeusern sitzt er mit geladenem und entsicherten Praezisionsgewehr hinter dem spaltbreit geoeffnetem Dachfenster und wartet auf den Delinquenten. Wenn sich ein Verdaechtiger dem 25×1,25m grossem Wegrandbereich naehert, dessen Rasen von dem Sniper kunstgerecht und voller Leidenschaft beschnitten wird, beginnt sein Herz heftiger zu schlagen, sein Zeigefinger bewegt sich vorsichtig, ganz behutsam, bis er den kalten Stahl des Abzug spuert. Er hat eine Laserpoint-Visierung auf der Waffe montiert, eingeschossen ist sie auf exakt 57 Meter. 56 Meter betraegt die Entfernung zwischen Zieloptik und Strassenrand, er hat sie mit einer Maurerschnur ausgemessen, einen Meter hat er hinzugerechnet, weil er die meisten Schisse naeher am Acker-, als am Wegesrand festgestellt hat.

Seine kleine Rasenflaeche ist eine gepflegte Kleinstinsel zwischen Stoppelfeld und staubigem Weg, rund um die von ihm gehaetschelte Enklave aber herrscht Wildwuchs. Schwer faellt es ihm, diesen zu tolerieren und gerade deshalb nimmt er die Verantwortung fuer sein Kleinod todernst.

An der Drehbank in seinem kleinen Kellerraum hat er einen Schalldaempfer mit Innengewinde gebaut, die Anleitung dazu hat er im Internet gefunden, legal kaufen konnte er den Knallschlucker in Deutschland nicht. Auch das Aufnahmegewinde an der Laufmuendung hat er selbst geschnitten.

Fuer seine 223. Remington beschaffte er sich auf Umwegen spezielle Subsonic-Munition. Er weiss alles ganz genau, ihm kann man nichts mehr vormachen. Er weiss, der Schalldaempfer kann den Muendungsknall nur auffangen, wenn die Geschossgeschwindigkeit beim Verlassen des Laufs unterhalb der Schallgeschwindigkeit von 343.42 m/s bei +20.0 °C liegt.

„Nun mach schon, wag es, du wirst schon sehen, was du davon hast. Glaub mir, das wird dein letzter Schiss!“, beschwoert der Scharfschuetze lautlos sein Opfer.

Durch das vollverguetete Zeiss-Zielfernrohr mit 6-facher Vergroesserung sieht er den roten Laserpunkt auf den hellen Haaren tanzen, aber noch gibt es keinen Grund zur Selbstjustiz. Die fuerchterliche Tat, die Tat, fuer die er oeffentlich und fuer jeden sichtbar die Todesstrafe verkuendet hat, ist noch nicht geschehen. Sein Herz pocht jetzt beinahe schmerzhaft laut, er kann hoeren, wie das Blut durch die Halsschlagader gepeitscht wird. Aber er kann warten, er hat Zeit…

„Komm weiter, Harro!“ ruft Frau Seewein, Harro pinkelt noch schnell an den Pfahl, der das Schild mit der Todesstrafenandrohung traegt und…

…laeuft hinter Frau Seewein her.

Pinkeln gilt nicht!

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