Don Quijote (Quixote, Quichote)

Heute war Stella, eine 13-jaehrige kleine, langhaarige Mischlingshuendin zur Nachuntersuchung bei uns.

Was bisher geschah:

Aus den Unterlagen der Besitzerin ging hervor, dass Stella im Oktober letzten Jahres beim Tierarzt vorgestellt wurde. Dieser diagnostizierte eine Bindehautentzuendung, Ohrenentzuendung und Hautentzuendung. Die Therapie bestand aus einem Breitband-Antibiotikum, einer Ohrspuelung, einem medizinischen Shampoo und einer Wurmkur! Jawoll!

Fuenf Tage spaeter bekam Stella noch ein Spot-On Praeparat gegen Zecken und Milben auf die geplagte Haut. Immer feste druff!

Alles in Allem: Chemie in ihrer ganzen Bandbreite!

Bei der naechsten Vorstellung im November wurde auf Grund der Verschlechterung des Allgemeinzustandes in Verbindung mit dem fortgeschrittenen Alter der Patientin vom Tierarzt eine schlechte Prognose abgegeben und Frauchen der Abschied von Stella nahegelegt.

Mit diesem Urteil wollte sich die Besitzerin nicht zufrieden geben und bat uns um eine Stellungnahme.

Stella zeigte sich uns in der Tat in einem desolaten Zustand, mit hochgradig entzuendeten Augen, eitrigen Ohren, stark entzuendeten Hautbereichen und extremem Juckreiz.

Wir leiteten eine Entgiftungstherapie ein und kuemmerten uns mit einem homoeopathischen Mittel um die Entzuendungen. Zusaetzlich baten wir Stellas Frauchen, sie regelmaessig mit einem, die Haut beruhigenden, Tee zu waschen.

Heute zeigte sich die Besitzerin von Stella sehr erfreut ueber die positive Entwicklung und nahm mit Verwunderung zur Kenntnis, dass die Erwartungen, die wir an den Gesundheitszustand ihres Hundes stellten, noch nicht erfuellt waren.

Noch immer leidet Stella unter leichtem Juckreiz und wir wuerden gerne weiterhin das Immunsystem staerken, sowie den Reinigungsprozess fortsetzen.

Natuerlich entscheidet der Tierbesitzer ueber die durchzufuehrenden Massnahmen, aber wenn ich Saetze zu hoeren bekomme, die mit: „Meinen Sie denn wirklich, dass das noch sinnvoll ist, …“ beginnen, kann ich mich immer nur schwer beherrschen.

1. Hat jedes Tier in jedem Alter das Recht auf Gesundheit.
2. Macht es einen gewaltigen Unterschied, ob wir diverse, sich ergaenzende Massnahmen treffen, um die Selbstheilungskraefte zu mobilisieren, oder ob zahlreiche pharmazeutische Mittel gegeben werden, um immer neu auftauchende Symptome zu unterdruecken.

Gut, Stellas Besitzerin ueberlegt sich das noch in den naechsten Tagen.

Gar nicht abbringen laesst sie sich uebrigens von dem Trockenfutter, dass ihr ausgerechnet der oben schon erwaehnte Tierarzt empfohlen hatte, eins mit diversen Zuckern, diversen Zusatzstoffen und einer Riesenmenge an synthetischen Vitaminen.

Don Quijote hatte es schon nicht leicht, aber vergleicht das mal mit dem Kampf von Tierheilpraktikern gegen ihre speziellen Windmuehlen.

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4 Responses to “Don Quijote (Quixote, Quichote)”


  1. 1 Mo 26. März 2009 um 01:16

    Ich denke die Frage ist eher, wie viel macht man in welchem Alter?
    Bei einem Menschen der 90 Jahre alt ist macht man auch weniger als bei einem Kind.
    Wer weiß, mit dem nächsten Hund kommt sie vielleicht gleich zu euch. Es ist leicht sich über Patienten zu ärgern (bzw. ihre Besitzer) aber wer weiß schon die Hintergründe? Ist es eine ältere Frau kann sie sich vllt. gar nicht mehr so um den Hund kümmern wie es eine homöopathische Behandlung bräuchte.
    Und ob der Verdauungsapparat eines 13 Jährigen Hundes noch umgestellt werden muss, das könnte ich auch erst beurteilen, würde ich den Hund sehen.

    • 2 ulli 27. März 2009 um 23:05

      @Mo,

      >wie viel macht man in welchem Alter?
      Ich denke, du hast beim weiteren Lesen unseres Blogs dann noch gemerkt, wie wir ticken 😉 und wie unsere Einstellung zur Gesunderhaltung auch von alten Tieren ist. Du hast dich ja selbst noch bei „Toffee“ zu dem Thema geaeussert.

      Im obigen Fall hat mich geaergert, dass, obwohl die Dame gesehen hat, wie sich durch unsere Behandlung der Gesundheitszustand von Stella erheblich verbesserte, (der behandelnde TA hatte ihr nahegelegt, sie einschlaefern zu lassen), sie trotzdem das von ihm empfohlene Futter weitergeben wollte, das eben der Gesundheit des Hundes nicht zutraeglich ist. Da ist es absehbar, wann es ihr wieder schlechter geht, und die ganze Therapie geht von vorne los. Dazu sagt man, glaube ich, „Wolf therapieren“.

      Der Verdauungsapparat eines Hundes hat mit einer Futterumstellung, egal wie alt der Hund ist, keinerlei Schwierigkeiten, wenn man begleitende Massnahmen zur Anpassung der Darmflora an die neue Kost trifft.

      Letztendlich ist bei Stella eine artgerechte natuerliche Ernaehrung der Schluessel fuer gesunde naechste Lebensjahre und nicht eine wie auch immer geartete Therapie.

  2. 3 Mo 31. März 2009 um 00:29

    Ja, ich weiß nun wie ihr tickt 😉
    Ich schreib mich immer so schnell in Rage bei einem neuen blog *ggg* zu keinem anderen thema wie zum Thema „Rund um den Hund“ hab ich so viel beizutragen.

    Wisst ihr, ich habe auch das Gegenteil erlebt, ich war 14 und machte Schulpraktikum bei einer Tierärrztin. Es kam ein alter kleiner Hund in die Praxis, der 17 Jahre alt war.
    Der Hund war blind, taub, hatte keine Zähne mehr und wollte schon viele Monate nicht emhr fressen. Er bewegte sich auch nicht mehr freiwillig.
    Die Besitzer haben ihn trotzdem am Leben erhalten weil sie sich „nicht von ihm trennen können“.

    Das ist die Kehrseite der Medallie.
    Ich habe immer diesen Hund vor Augen wenn ich höre ein alter Hund soll behandelt werden, so wie ihr immer an Toffee denken müsst.

    (Kann mir bitte Jemand eine Tüte Rechtschreibung und Zeichensetzung schenken? das ist ja nicht auszuhalten)

    • 4 ulli 3. April 2009 um 19:57

      Am hilfreichsten bei der Entscheidung ueber Leben und Tod ist es meiner Meinung nach, sich in die Lage des Tieres zu fuehlen und sich dann danach zu richten, ob man selbst in dessen Lage sein Leben noch als lebenswert ansehen wuerde.

      Wir fuehren oft Gespraeche mit Tierbesitzern diesbezueglich und es ist ein Irrtum zu glauben, dass wir immer, wenn der zustaendige TA das Einschlaefern empfohlen hat, etwas dagegen einzuwenden haben. Oftmals ist aber der Schulmediziner anscheinend mit seinem Latein am Ende und wir koennen nicht nur das Leben fuer das Tier wieder ertraeglich machen, sondern lebenswert. Im besten Fall kann der Tierbesitzer nach einiger Zeit wieder mit einem gesunden Tier zusammen leben, schlimm, wenn er da dem „Fachmann“ vertraut haette.


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