Toffee

Waehrend unseres anderthalb-jaehrigen Aufenthalts in Lincolnshire/ England bewohnten wir ein kleines Haus auf der riesigen Farm von Mr und Mrs (sagen wir mal) Black. Sehr nette aeltere Leute, sehr reich und auch gerne bereit, ihren Reichtum zu zeigen. Ein ganzer Fuhrpark an „toys“ bestehend aus Land Rover Pick Up, einem kleinen Mercedes Zweisitzer ohne Typenbezeichnung am Heck, zwei Smarts (einen flachen und einen kugeligen), einen Honda Kombi und ganz klassisch einen schoenen alten Jaguar (dunkelgruen mit Kuehlerfigur). Ab und an fuhren Mr und Mrs Black ihre Laendereien mit einem sechs-raederigem japanischem Unbequemteil ab und am Sonntag flog Mr Black gerne mit einer alten Spitfire, fuer die er die Patenschaft uebernommen hatte und die im nahegelegenen Aviation Heritage Center stationiert und gewartet wurde, mit Ohren betaeubenden Laerm im Tiefflug ueber seine Farm.
By the way, „Don’t mention the War!“
Natuerlich war Mr Black auch Jaeger und hatte eine Huendin namens „Toffee“, die er in hoechsten Toenen lobte, als „lovely nice girl“, die ein „true comrade“ bei der Huehnerjagd war und ihn draussen ueberallhin begleitet habe, dieses Jahr aber zu alt fuer die Jagd waere.
Nice Girl 08
Unsere Anmerkungen, dass es kein Problem waere, ihren Gesundheitszustand zu verbessern, wollte er nicht unbedingt hoeren. Sie sei schliesslich schon neun Jahre alt und bekaeme immer gutes Futter. Von uns bekam sie Spiel- und Apportiereinheiten, ihr wisst schon, die Kombination aus „gutem“ Futter und den ganzen Tag nur faul rumliegen tut der Figur und den Gelenken nicht gut. Mehr war von uns nicht erwuenscht.
Eines Freitags, wir packten gerade unser Auto fuer eine Stippvisite nach Deutschland, stellte Mr Black uns voller Freude „Muffin“, eine junge, verschuechterte Springerspaniel-Huendin vor.
„Wird mal ein guter Stoeberhund, ihre Mutter ist ein fantastischer Arbeiter.“

Der Rest ist schnell erzaehlt.
Als wir wieder zurueck kamen, war „Toffee“ nicht mehr da. Auf unsere Nachfrage bekamen wir dann zu hoeren, sie haette in der letzten Zeit keinen Spass mehr am Leben gehabt.

Hatten wir gar nicht bemerkt!

Ausserdem haette sie ja auch ein schoenes Leben gelebt.

Allerdings ohne Rentenanspruch!

siehe auch: Der ist ja schon alt

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5 Responses to “Toffee”


  1. 1 Mo 26. März 2009 um 01:53

    Das ist heftig. Jetzt verstehe ich auch warum ihr gerne auch allergisch darauf reagiert wenn ein Mensch nicht mehr alles für seinen alten Hund macht.
    Ich kann das Verhalten der Leute nicht begreifen, ein Hund ist Teil der Familie, ist Freund und für viele Menschen Partnerersatz.
    Gerade aus England kenne ich eigentlich dieses klischeehafte Bild von Herr und Hund.

    Zwar würde ich nicht mehr alles im hohen Alter eines Tieres machen (so ab 12 beim Großen, ab 14 beim kleinen Hund würde ich zB. eher nicht mehr aufwendige OPs machen) aber einem Freund und Partner noch einen tollen Lebensabend zu ermöglichen, mein ich, muss doch selbstverständlich sein.

    Natürlich kaufe ich mir in 10 jahren wenn emien alt ist eine neue Hündin, aber meien alte ist dadurch nicht im „Wert“ gemindert.
    Die neue kann alles von der Alten lernen, es ist dann eben wie ein mehrgenerationen Haushalt.

  2. 2 ulli 27. März 2009 um 23:31

    @Mo,

    klar muss man immer abwaegen, was sinnvoll ist, auch dem Alter des Tieres entsprechend. Und auch die persoenliche Situation des Tierhalters ist ausschlaggebend bei kostenintensiven Massnahmen. Die Unterstuetzung von Toffees Gesundheit haette die Blacks vielleicht 10-12 Pounds pro Monat gekostet, fuer sie ein Jiffi!

    Nein, Toffee hatte einfach ausgedient.

  3. 3 Mo 31. März 2009 um 00:01

    Unverständlich- einfach UNVERSTÄNDLICH!

    Sie hätten sie wenigstens abgeben können. Aber einfach töten…
    ich meine, dann dürften die Blacks ja auch nicht mehr leben, sie sind ja auch nicht mehr die Jüngsten.

    Weißt du, oder bei dem Reichtum jemanden für Toffees Pflege bezahlen. Wenn ich so vor mich hinträume und ich hätte Geld, hätte ich auch schnell 10 Hunde zusammen (Wegwerftiere natürlich, davon gibt es genug, auf Rasse muss ich trotzdem nicht verzichten) und ich würde mir einfach einen Pfleger einstellen, oder auch zwei, die die Hunde dem Bedürfnis entsprechend versorgen.

    Denn gerade ein Hund wie Toffee, der Arbeitshund war, kann auch nciht einfach vor sich hinvegetieren.

    Weißt du denn ob sie beim TA waren oder hat er als Jäger es auf die alte Art gemacht und sie selbst beseitigt?

    • 4 ulli 2. April 2009 um 22:43

      Nee, nee, Englaender sind da sehr traditionsbewusst, fuer sowas geht man nicht zum TA.

      Bei einem TA, der seinen Beruf zum Wohle der Tiere gewaehlt hat, waere Black damit auch auf taube Ohren gestossen. Obwohl…?!
      Nein-Es gab einfach keine Indikation, die eine Toetung gerechtfertigt haette.

      Wir haetten Toffee auch gerne zu uns genommen, er hat uns dann aber schliesslich nicht gefragt.
      Nun, im Mietvertrag fuer unser Haus war Tierhaltung auch ausdruecklich verboten, er hatte ja dann einen neuen Vertrag mit uns machen muessen. (knirsch)

      Wenn der gewusst haette, dass wir Speed, dem Riesenschleimer, Asyl in unserem Wohnzimmer gewaehrt haben!


  1. 1 Haste mal £ 800,000? « Pfoetchen-Blog Trackback zu 6. Januar 2010 um 23:05

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